B210n – ein klimaschädliches Projekt von vorgestern
Ratsherr Hendrik Siebolds kritisiert Verkehrsminister Olaf Lies' Festhalten an der B210n als überholt, klimaschädlich und verkehrspolitisch unbegründet.
Zu den jüngsten Aussagen des Ministers Olaf Lies äußert sich unser Ratsherr Hendrik Siebolds wie folgt:
Die Aussage des niedersächsischen Verkehrsministers Olaf Lies (SPD), es gäbe überhaupt keinen Zweifel an der Realisierung der B210n, ist Ausdruck der Unfähigkeit von Politikern, einmal beschlossene Großprojekte nach vernünftigen Maßstäben aktuell neu zu bewerten und gegebenenfalls zu verwerfen. Denn Zweifel an der Sinnhaftigkeit und dem Nutzen dieser vor gut vier Jahrzehnten entworfenen Straße gibt es nach heutigen Maßstäben genügend. In Zeiten des dringenden Klimaschutzes, der gewünschten Verkehrswende und der immer knapperen natürlichen Ressourcen ist die neue B210n nicht nur unsinnig, sondern höchst schädlich.
Der schon zu Beginn der Planung schöngerechnete Kosten-Nutzen-Faktor der B210n dürfte heute bei einer aktuellen Neuberechnung allein schon aufgrund der massiv gestiegenen Baukosten und der höheren CO2-Bepreisung bis zur Bauunwürdigkeit fallen. Und letztlich bedeutet diese Straße nur eine Verkehrsverlagerung in andere unberührte Gebiete. Diese sind um Aurich mit dem Ehetal, der Landschaft am Upstalsboom und beim Kukelorum besonders wertvolle Landschaften. Die neue Straße bringt keine Verkehrsvermeidung, keine Verkehrsminderung.
Schon erste Untersuchungen zu diesem Projekt ergaben bei Verkehrszählungen einen mit 25 % nur geringen Durchgangsverkehr durch Aurich. Die anderen 75 % sind im Wesentlichen Ziel- und Quellverkehr in und aus dem Zentrum. Da nützt eine Umgehung nur wenigen und bringt auch nur wenige Minuten Zeitersparnis. Nutzen und Aufwand stehen in keinem guten Verhältnis zu dieser gigantischen Naturzerstörung.
Und weil das wohl auch der Minister weiß, nennt er als weiteres Argument für die B210n die Verbindung mit der geplanten Küstenautobahn A20/A26. Seine Behauptung, die B210n bilde damit einen Lückenschluss für die Ost-West-Verbindung Deutschlands von Polen bis zu den Niederlanden, grenzt schon an Volksverdummung. Nach offizieller Planung endet die neue A20 in Westerstede, führt dort auf die A28 und weiter durch den Ems-Tunnel Richtung Niederlande. Welcher Fernverkehr sollte hier über Aurich und die B210n laufen? Emden und Wilhelmshaven sind zudem mit eigenen Autobahnstücken an die Ost-West-Verbindung angeschlossen. Auch der Tourismusverkehr geht im Wesentlichen über die A31 und die A29 an die Küsten und kaum über Aurich.
Das sture Festhalten der Politiker, insbesondere von SPD, CDU und FDP, an dem völlig überholten Projekt B210n ohne eine objektive Neubewertung ist daher nur ideologisch und psychologisch zu erklären. Ideologisch ist der Glaube, dass neue Straßen immer Wachstum bringen – und das, obwohl Aurich seit Jahrzehnten auch ohne neue Straßen boomt und funktioniert. Psychologisch, weil Politiker glauben, ihr Ansehen und ihre Kompetenz würden beschädigt, wenn sie ein Großprojekt absagen. Dabei würden die meisten Bürger in Aurich eine solche vernünftige Entscheidung wohl eher begrüßen. Denn statt die letzten schönen Landstriche um Aurich zu zerstören und noch mehr Bürger mit Verkehr zu belasten, könnten die vielen Millionen Euro in die dringend benötigte Verbesserung von ÖPNV, Bahn und Radwegen fließen.

