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Die B 210n bleibt ein verkehrspolitischer Irrweg

Mit großen Worten preisen die Befürworter der B 210n mal wieder ihre angeblich so segensreiche Umgehungsstraße an. Konkrete Argumente dafür haben sie aber kaum. Stattdessen werben sie mit den üblichen Plattitüden, dass diese Straße die Wirtschaft fördere und dem Gemeinwohl diene. Angesichts der bevorstehenden Kommunalwahl fürchten sie offenbar, dass der Widerstand gegen die B 210n wachsen und das Projekt noch kippen könnte.

So behauptet Landrat Olaf Meinen dreist – und wohl wider besseres Wissen - es gebe nur schlüssige Argumente für die Umgehungsstraße. Dabei gibt es viele ernstzunehmende Argumente dagegen. Sie zerschneidet einige der schönsten und noch unberührten Landschaften um Aurich, bringt Lärm und Abgase in Naherholungsgebiete und Siedlungen, zerstört das Landschaftsbild und die Attraktivität unser Kulturlandschaft für Einwohner und Touristen. Sie dient nicht dem Allgemeinwohl, sondern zerstört unser Allgemeingut. Die B 210n sichert nicht Lebensqualität, wie Staatsekretär Matthias Wunderling-Weibier behauptet, sondern sie verschlechtert die Lebensqualität der Auricher. Auch der angebliche Nutzen für unseren Wohlstand ist äußerst fraglich. Aurichs Wirtschaft floriert seit Jahrzehnten auch ohne die Umgehungsstraße. Sie bringt nur wenige Minuten Zeitersparnis, für den hohen Preis der Umweltzerstörung und mehrere hundert Millionen Euro Steuergeld. Eine überfällige Neuberechnung des Kosten-Nutzen-Faktors angesichts der enormen Kostensteigerung würde ihn sicherlich erheblich verschlechtern.

Der Traum vom Rückbau und der Verkehrsberuhigung der Auricher Hauptstraßen nach dem Bau der B 210n ist ein Märchen. Die großen Innenstadtstraßen würden nicht maßgeblich entlastet werden, denn der meiste Verkehr ist kein Durchgangsverkehr, sondern Ziel- und Quellverkehr in und aus dem Zentrum. Die angeblichen Kfz-Bewegungen auf der Umgehungsstraße wurden künstlich hochgerechnet. Dennoch versprach Ministerpräsident Olaf Lies bei seinem letzten Besuch den Aurichern eine Entlastung der Innenstadt. Dabei war er sich nicht zu schade, den Tod des jüngst auf der von-Jhering-Straße überfahrenen Schülers zu instrumentalisieren, um für die Umgehungstraße zu werben. Das ist ein perfider Versuch, die großen Emotionen zu diesem Unfall auf die Mühlen der        B 210n-Befürworter zu leiten. Auch mit der Umgehungsstraße müssten weiterhin viele LKWs durch Aurich fahren. Der tödliche Unfall und viele Beinahe-Unfälle sind der dortigen gefährlichen Verkehrssituation geschuldet. Tatsächlich könnte eine Tempo-30-Zone die Verkehrssituation dort und auch vor anderen Schulen schnell entschärfen. Ministerpräsident Lies und MdL Wiard Siebels sollten sich lieber dafür einsetzen, den Wunsch des Rates und der Eltern nach einer Tempo-30-Zone schnellstens umzusetzen. Ihre Regierung sollte lieber Geld zur Verfügung stellen für besseren ÖPNV, mit dem man durch den Alltag kommt, für mehr Güter und Personen auf der Schiene, für den Auricher Rufbus und bessere Radwege. Das würde allen Bürgern helfen, die auf das teure Auto verzichten wollen oder müssen. Es würde dem Klima helfen und Straßen wirklich nachhaltig entlasten. Das wäre tatsächlich eine effiziente Verkehrsinfrastruktur. Und dafür bräuchte es nur einen Teil der vielen Millionen Euro, mit denen das Dinosaurierprojekt B 210n in unsere Landschaft betoniert werden soll.

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Hendrik Siebolds

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