Wirtschaftlichkeit der Bahnreaktivierung ist nachgewiesen
Die Fraktion Die Linke widerspricht dem stellvertretenden Landrat Hilko Gerdes (CDU) und legt dar, warum die Wirtschaftlichkeit der Bahnreaktivierung Aurich–Emden nach anerkannten Verfahren eindeutig belegt ist.
Der stellvertretende Landrat Hilko Gerdes (CDU) stellt die Wirtschaftlichkeitsberechnung zur Bahnreaktivierung infrage. Offensichtlich hat er sich aber nicht mit dieser Berechnung befasst. Denn die Landesnahverkehrsgesellschaft berechnet den volkswirtschaftlichen Nutzen nach einem standardisierten Bewertungsverfahren, das seit Jahrzehnten anerkannt ist und bundesweit für Verkehrsinfrastrukturprojekte angewandt wird. Darin sind alle Kosten und jeder Nutzen für die Allgemeinheit und auch die Umwelt eingerechnet.
In der standardisierten Bewertung für die Bahnreaktivierung Aurich–Emden wurde schon mit nur 2.630 Fahrgästen ein Kosten-Nutzen-Index (KNI) von 3,0 errechnet. Der erforderliche KNI von mind. 1,0 wird also schon mit viel geringerer Fahrgastzahl weit übertroffen. Eine weitere Berechnung unter Zuhilfenahme von Mobilfunkdaten – eine ebenfalls anerkannte Methode – ergibt ein Fahrgastpotenzial von maximal 4.135 Fahrgästen und einen KNI von sogar 4,69. Das Maximum von 4.135 Fahrgästen ist also gar nicht erforderlich, um die Wirtschaftlichkeit und Förderwürdigkeit der Bahnreaktivierung zu begründen.
Auch die Reduzierung auf fünf Haltestellen in der Machbarkeitsstudie widerspricht dem nicht. Hier wurde zwar auf die Haltestelle Extum verzichtet. Sie war vor allem auf die Schüler der IGS ausgerichtet. Die können aber genauso gut zum Auricher Bahnhof laufen. Dieses Fahrgastpotenzial geht also nicht verloren. Und der Wegfall der Haltestelle in Walle würde das Fahrgastpotenzial kaum verringern, weil dort nur nördlich der Bahnstrecke etwas Wohnbebauung ist. Der Haltepunkt Abelitz fiel weg, weil er erst zukünftig für die Anbindung der Stadt Norden gebraucht wird. Also erschließen auch weniger Haltestellen genügend Fahrgastpotenzial. Die endgültige Zahl wird ohnehin noch in Abwägung zur Fahrzeit später festgelegt. Die Haltestelle an der Zentralklinik ist für gesunde Fahrgäste nicht zu weit vom Eingang entfernt. Für kranke oder gehbehinderte Patienten könnten – wie an Flughäfen – kleine Elektro-Shuttles eingesetzt werden.
Auch Gerdes' Behauptung, die Folgekosten würden nicht berücksichtigt, ist falsch. Bund und Land tragen die Investitionskosten zu 95 %, nur 5 % trägt das Eisenbahn-Infrastruktur-Unternehmen. Das ist eine einmalige Ausgabe von derzeit rund 5 Millionen Euro. Alle Kosten für Straßenbau und Lärmschutz sind enthalten. Auch Betriebs- und Unterhaltungskosten bezahlt das Land. Für Südbrookmerland entstehen also keine Folgekosten.
Den Vorschlag der FDP, alternativ eine Seilbahn zu prüfen, hält die Fraktion Die Linke für unsinnig. Eine Seilbahn wäre technisch und finanziell viel aufwändiger. Zudem müsste das Gleis für den Güterverkehr trotzdem bleiben. Allein das Planfeststellungsverfahren würde wahrscheinlich bis zu 20 Jahre dauern. Die Bahnreaktivierung ist derzeit zum Greifen nahe und die beste Investition in die zukünftige Mobilität und eine klimafreundliche Verkehrswende.

